Mal was über Orange.

Orange?

Montag, 23. Februar 2015

Richtungen

Hierzu eine Fußnote 1


oben und unten gibt es nicht wirklich: Wenn wir nach oben blicken, etwa zum gestirnten Himmel, ist das nur die Richtung, die dem unten entgegengesetzt ist, und unten ist da, wo es uns hinzieht. Die Schwerkraft zieht uns Richtung Erdmittelpunkt, und wäre ein Freund in Neuseeland gleichzeitig dabei, nach oben zu schauen, wäre sein oben und unser unten so ungefähr dieselbe Richtung. Wäre unser Freund Astronaut und auf Dienstreise, gäb es für ihn dieses oben und unten nicht. Oder etwa doch? Stellen wir uns vor, er wäre auf einer Erdumlaufbahn: in dem Maße, wie ihn die Erde anzöge, hätte er noch ein Stück weit unten; wie aber, wenn er zwischen Erde und Mond wäre, dort, wo sich die relativen Anziehungskräfte aufhöben: wo wäre da oben und unten?



Gute Frage: Wo ist "oben" und "unten"? Fragt man einen Physiker – der müsste es doch eigentlich wissen – erzählt er vermutlich einen Quark – Verzeihung: von einem quark – mit einem spin, der entweder up oder down gerichtet sei, was natürlich nicht mit der Welt da draußen eins zu eins korreliere. Das quark habe schließlich noch mehr flavors! Sie fänden das Ganze irgendwie strange, und der Physiker würde Ihnen zustimmen: "Genau, strangeness ist auch ein flavor!". Und Sie würden eine höfliche Ausrede vorbringen und schnell das Weite(re) suchen: Von dieser Physik schwirrt einem ja der Kopf!!


Was ist rechts und links? Träfe unser Freund, der Astronaut, einen Außerirdischen, könnte er den rechten Arm heben zum Gruß2, und wenn ein Babelfisch, ein Übersetzungsautomat der Enterprise oder ein vielgereister Dolmetscher dem Ufonauten erklärte, dass das die rechte Hand sei, erhoben in Frieden und Freundschaft und zum Zeichen intergalaktischer Verständigung, dann wäre das relativ klar. Funktionierte der Kontakt über, sagen wir einmal, Lichtjahre hinweg, und vielleicht auch noch ohne Dolmetscher, wäre es unmöglich, links und rechts eindeutig zu definieren. Das glauben Sie nicht? Versuchen Sie's!

Stellen Sie sich im Badezimmer vor den Spiegel. Heben Sie die rechte Hand, und Ihr Spiegelbild tut es Ihnen gleich. Oder – tut es das? Ist das seine Rechte? Ist eine gespiegelte Rechte auch die Rechte des Spiegelbilds? Würde Ihr Spiegelbild das genauso sehen?

Wären wir auf dem Meer unterwegs, gäbe es ein rechts und links, weil es ein vorn und hinten gäbe. In Richtung vorn geblickt, wäre rechts …. oder anders gesagt, nein rechts ist immer... äh..
Ja, rechts ist da wo der Daumen links ist. Ein dämlicher Spruch, ebenso nutzlos wie richtig. Man weiß schließlich, wo rechts und links ist, glaubt man, nur definieren kann man's nicht.

Übrigens wäre an Bord eines Schiffes rechts steuerbord, da ist nämlich das Steuer, und die andere Seite heißt korrekt backbord. Warum, fragen Sie verständlicherweise, warum ist steuerbord eigentlich rechts, bzw. warum ist das Steuer rechts? Das Steuer ist ursprünglich ein Ruder (daher Steuerruder), und da ist es effektiver, wenn die rechte Hand näher am Schwerpunkt des Ruders greift. Darum steht der Gondoliere auf dem hinteren linken (!) Seite der Gondel, denn das Ruder und dessen Widerlager sind rechts: So lässt sich die Gondel mit dem Ruder steuern.



In der Schifffahrt gilt heute generell Rechtsverkehr, an Land nicht: Nicht nur die Briten fahren mit der ihnen eigenen Starrköpfigkeit links; das tun auch noch über 50 andere Länder. Warum in manchen Ländern der Linksverkehr gilt, lässt sich nicht mehr feststellen, aber das gilt umgekehrt auch für den Rechtsverkehr.  

Warum geben wir einander beim Händeschütteln die Rechte? Weil wir überwiegend Rechtshänder sind und mithin eine Waffe, so wir eine einsatzbereit mit uns führten, in der rechten Hand hätten. shake hands mit rechts heißt daher: 'Schau, ich bin unbewaffnet' . Und das gilt sogar in Eng- und Schottland.

Übrigens sind in mittelalterlichen Burgen Wendeltreppen so angelegt, dass für den Hinaufstürmenden, im Folgenden 'Feind' genannt, die engere Seite der Stufen rechts ist. Für den von oben Herunterkommenden, im Folgenden 'Verteidiger' genannt, hat die Hand, die das Schwert führt, erheblich mehr Bewegungsfreiheit. Selbst wenn der Feind Linkshänder ist, hat der Verteidiger immer noch den Vorteil, dass es sich von oben herab besser kämpft, denn so kommt ihm die Schwerkraft zugute. Er behält die Oberhand, und der Feind ist meist der Unterlegene.

Und weil gerade der Wind weht: die Windseite des Schiffes heißt Luv, und Lee ist die dem Wind abgekehrte Seite. Da ist klar, was was ist, wenigstens, solange der Wind weht.

Wüssten Sie übrigens an Bord eines Schiffes, wo Sie gerade sind? "Irgendwo auf dem Meer" wäre keine befriedigende Antwort; wenn Sie, sagen wir einmal, vor einer halben Stunde in Malaga abgelegt hätten, könnten Sie immerhin ziemlich sicher sein, dass Sie sich a) nördlich des Äquators und b) westlich von Greenwich befänden. Je nachdem, wie weit man weg ist vom Äquator, befindet man sich auf soundsoviel Grad nördlicher (oder, auf einem anderen Schiff in einem anderen Urlaub, südlicher) Breite. Parallel zum Äquator sind die Breiten, und selbst ein Leichtmatrose fände es nicht allzu schwer, mittels eines Sextanten und mit der Hilfe einer Person, die ihm die Funktionsweise eines solchen Instruments zeigen könnte, den Breitengrad zu bestimmen. Hier ist jedenfalls nicht der Ort, auf Details einzugehen. Nur eines: Wenn man der Stand der Sonne über dem Horizont peilen kann, hat man schon fast den Breitengrad.

Der Längengrad ist schwieriger, aber was uns hier interessiert, ist die Tatsache, dass er auf einer willkürlichen Festlegung beruht: Greenwich bei London ist Null, genauer: Dass der Nullmeridian, das heißt, die Linie - die von Pol zu Pol und senkrecht zum Äquator gedacht - die Linie ist, auf die sich alle, Seefahrer, Landratten und Google (natürlich auch Wikipedia, wenn es heißt, Würzburg etwa sei 49° 48′ N, 9° 56′ O) beziehen, und dass diese Linie durch die Königliche Sternwarte Ihrer Britannischen Majestät verläuft.

Wir fassen zusammen: oben und unten gibt es nicht, kein Mensch kann sagen, was links und rechts bedeuten, und Angaben zur Position sind, mindestens zur Hälfte, reine Willkür. Na sauber!

Ach ja: In jeder Tropfsteinhöhle gibt es Tropfsteine, klar, und die gibt es von oben und von unten.
Wer ist da Stalagmit, und wer Stalaktit? Das Gestein tropft vor sich hin, und eigentlich ist es ihm egal, ob es Stalagmit oder -tit ist. Steter Tropfen höht den Stein, pitsch...patsch...titt...t...
Seit ewigen Zeiten.

Wo aber geht es hin, wenn's so weitergeht? Ganz am Ende steht die totale Entropie des Universums, der Kältetod, wo sich nichts mehr regt, und die Existenz den Geist aufgibt.

Aber getrost, Freunde, bis dahin ist noch lang.

1Vgl. das Gedicht "lichtung" von Elnst Jandr
2Das heißt etwa "Ich komme in Frieden – schau, ich hab nichts in der Hand".
Mehr dazu weiter unten [Das Paradoxe ist hier jetzt: Wenn diese Fußnote am Ende stünde – als Endnote – hieße dieses unten eigentlich oben....]

Sonntag, 18. Januar 2015

statt Zuckerbrot


Nicht nur seit den Tagen von Indiana Jones (der Mann war Archäologe!) und Konsorten ist die Peitsche ein Stück – ja, was eigentlich?? Folklore? Brauchtum? eine Waffe? ein Spielzeug? ein Folterinstrument? Antwort: JA!

Bevor wir ins Detail gehen, müssen wir ein paar Dinge klären. Zunächst einmal: Was ist eigentlich eine Peitsche? Da es mir in meiner Kindheit noch beschieden war, bei strafbaren Vergehen in der Schule gelegentlich die Rute des Lehrers auf die Handinnenflächen appliziert zu bekommen (was allerdings nicht der Grund dafür war, dass ich selber Lehrer wurde!), kenne ich dieses Instrument der rustikalen Pädagogik recht gut. Das hat zwar ordentlich"gepfetzt", wie wir das nannten, aber eine Peitsche war das nicht. Laut Duden ist nämlich eine Peitsche ein "aus einem längeren biegsamen Stock und einer an dessen einem Ende befestigten Schnur bestehender Gegenstand," und die Rute des Herrn S. war aus einem Stück. Der Duden (online) verrät uns zwar nur indirekt, wie die beiden Bestandteile einer Peitsche genannt werden; die heißen nämlich tatsächlich "Stiel" und "Schnur". Der deutschsprachigeWikipedia-Artkel spricht zwar von "Stiel" , aber auch einem "Lederriemen" oder "Strick". Das mit dem "Riemen" mag angehen, aber "Strick" ist fragwürdig. Was denkt sich überhaupt ein Wiki-Autor, der eine Peitsche allen Ernstes als "Schlagwaffe oder ein Kommunikationsmittel" (!) bezeichnet? (im Originalton Wiki weiter: "Zu dem ebenfalls als Peitsche bezeichneten Musikinstrument siehe Peitsche (Musikinstrument)." OK. Das von Wikipedia als "freies Ablenkungs-Aerophon" beschriebene Musikinstrument gibt es wirklich; ich sage nur "Goaßlschnalzn". Doch davon später.

So eine Peitsche kennen wir vom Fiaker und jedem anderen Kutscher, der etwas auf sich hält. Und ein guter Kutscher tut dem Pferd auch nicht weh – das tun nur die Kutscher um Wilden Westen, wenn die Indianer hinter ihnen her sind – sondern er schnalzt mit der Peitsche. Das klingt nämlich stilecht und für das Pferdl offenbar motivierend.

A propos Schnalzen: Das ist nicht ganz einfach, und bei genauerer Betrachtung hat eine Peitsche (hier im Sinne von Musikinstrument) am Ende der Schnur ein weiteres Teil, die Treibschnur, auch Bast genannt. Damit wären wir beim Brauchtum, nämlich dem Goaßlschnalzn. das ist mitnichten eine kleine Geiß, denn die schnalzt ja nicht, sondern die Peitsche (Goaßl = Geißel), und es gibt Gegenden in den (Vor-)Alpen, wo man seit ewig-urigen, also vorfrommen Zeiten schnalzt. Siehe http://www.schnalzen.de/ . Das Schnalzen beherrschen aber, wie gesagt, auch viele Kutscher, und die schnalzen nicht mit der Goaßl, sondern knallen mit der Peitsche. Ob das aber Musik ist, sei dahingestellt. Immerhin schreibt Leopold Mozart (also der Herr Vater vom Wolferl) bei seiner "Bauernhochzeit" (Sinfonia in D-Dur) auch Peitschenknallen vor. Bei den Reichen knallen die Sektkorken; bei den Armen knallen höchstens die Peitschen. Nur so eine Theorie...

Zu den eher harmlosen Vergnügungen mit der Peitsche gehört auch ihre Verwendung als Spielzeug. Vor, sagen wir einmal: hundert Jahren etwa bekamen artige Kinder gar oft einen gedrechselten, hölzernen Kreisel, der mittels einer Peitsche – hier nur mit einem harmlosen Strick bestückt – mit einer gewissen Geschicktheit eine theoretisch endlose Zeit in Drehung gehalten werden konnte, bis schließlich der Hund darüber herfiel oder das Kind des Treibens müde wurde.

Gewissermaßen als Spielzeug, wenn auch in einem völlig anderen Kontext, taucht die Peitsche auch heute noch auf, im einschlägigen (no pun intended!) Fachhandel, auf eBay und überhaupt im Internet auf. Googelt (oder von mir aus "bingt") man "Peitsche", tauchen massenhaft Begriffe wie "Domina" oder "BDSM1" auf; und natürlich wußten wir alle, dass es in – wie man früher sagte – der Sado-Maso-Szene unter den Hilfsmitteln auch Peitschen gab und gibt, aber das Ausmaß überrascht dann doch. Man muss sich wohl auch sehr anstrengen, so etwas wie eine Peitsche schön zu finden. Die Peitsche hat offenbar tatsächlich längst Einzug gehalten in deutschen Schlafzimmern. Dabei geht es offenbar auch gar nicht um "schön" im ästhetischen Sinn, aber es scheint doch eine ganze Menge Menschen zu geben, die Schmerz – und was eine Peitsche sonst noch vermitteln mag – als lustvoll empfinden.

Und es war wohl auch ein gewisses Maß an Masochismus mit im Spiel, als die Selbstkasteiung zur Massenbewegung wurde. Im Christentum hat ja wegen Kreuzigung und dem Martyrium der Heiligen die bildliche, religiös überhöhte Darstellung von Folter, Leid und dem Ertragen von Schmerz einen ganz eigenen, schwer zu definierenden Wert. Selbstkasteiung und freiwillig ertragenes Leid sind den meisten Kulturen fremd2. Auf jeden Fall gedeihen auf solchem Nährboden Absurditäten wie die Geißlerbewegung (auch: Flagellanten, vom lat. flagellum, "Geißel"), bei der im 13./14.Jhd. Menschen in einer Massenhysterie durch die Straßen zogen und sich dabei für die eigenen Sünden wie auch die der Menschheit insgesamt selbst geißelten und ähnlich andere Verletzungen zufügten. Eine Art religiös motivierter, aber eben doch auch: Masochimus also. Normal ist eher die Angst vor der Geißel, daher Beinamen wie die "Geißel Gottes": Attila the Hun.
Geißler / Geißeltierchen / Geißel Gottes (Attila)
Geißel ist ein altes gemanisches Worz; Peitsche ist aus dem Slawischen entlehnt und nicht, we man vermuten könnte, lautmalerisch, hört man doch geradezu nach dem harten Plosivlaut 'p' die Schnur die Luft durchschneiden, um dann mit der zischenden Affrikata 'tsch' schmerzhaft aufzuschlagen. Übrigens könnte auch das englische 'whip' lautmalerisch aufgefassst werden: auf das windige 'wh' folgt ein hartes 'p' – aber lassen wir das. Irgendwie dürfte das Wort ursprünglich eine rasche Hin-und Herbewegung bezeichnet haben (und insofern letztlich mit unserer Wippe verwandt sein) aber so ganz genau weiß man das nicht. Darum klingt die lautmalerische Theorie auch einigermaßen plausibel. 

Kurioserweise hat whip im Englischen auch eine parlamentarische Bedeutung. Gewöhnlich wird es dann mit Einpeitscher übersetzt, bezeichnet es doch den Mann, der für Parteidisziplin, vor allem bei Abstimmungen, sorgt. Dabei stimmt sich der Chief Whip der Regierung mit dem der loyalen Opposition ihrer Majestät ab. Von der Funktion her hat er etwas vom parlamentarischen Geschäftsführer einer Fraktion im Bundestag.

Die Geißel hatte eine Funktion im Alten Ägypten, die wohl die strenge Seite der Macht symbolisierte. Man kennt das von den Sarkophagen verstorbener Pharaonen, deren Abbild als Halb- oder Vollrelief den Deckel seines steinernen Sargs zierte: mit der Doppelkrone Ober- und Unterägyptens sowie, über der Brust gekreuzt, einem Krummstab (der – wie man das auch vom Krummstab von christlichen Bischöfen kennt – den fürsorgenden Hirten darstellen sollte) sowie eben einer Peitsche mit mehreren Riemen.

In der Fachsprache der Archäologen heißt dieses eigenartige Szepter Flagellum.
So heißt bei den Biologen das Fortbewegungsmittel bestimmter Kleinstlebewesen, wie etwa dem danach benannten Geißeltierchen. Es ist dies ein schwanzähnlicher Fortsatz,der mit rudernden Bewegungen das "Tierlein" oder, um etwas Vertrauteres anzuführen, ein Spermatozoon vorantreibt, wenn es im Wasser herumzieht.

«la ligne coup de fouet» (etwa "Peitschenschlag") nannte der bedeutende belgische Architekt Victor Horta
Hotel Tassel, Brüssel, von Victor Horta
jene geschwungene Linie, die wie kein zweites Argument den Jugendstil auf einen Nenner bringt: zeitlose Schönheit und Eleganz in Vollendung. Man muss sich schon sehr anstrengen, wenn man so etwas nicht schön finden will.


Aber der eigentliche Sinn und Zweck von Geißel, Knute & Co. ist natürlich das Bestrafen, die Zufügung von Leid, sei das nun als pädagogische Maßnahme verbrämt, zur Wahrung von Disziplin oder als "gerechte" Strafe deklariert. Und natürlich ist der Mensch hier recht erfinderisch, und schon immer erfinderisch gewesen.

Man denke nur an die vielfältigen Formen des corporal punishment,
Belting · Birching · Caning · Spanking · Strapping · Switch ( in Schulen
Flat hand · Paddle · Slippering (Spanking with a pair of slippers): (daheim·)
flogging, whipping oder lashing (Auspeitschen) - die Bandbreite reicht von der "ausrutschenden" Hand bis zu massiven  Misshandlungen.

Und Grausamkeiten waren und sind in praktisch allen Kulturen regelrecht an der Tagesordnung; Auspeitschen war meist öffentlich. Dass dabei besondere Sorfalt waltete, belegen die gebrauchten Instrumente nur zu gut:
z. B. die Knute (engl. knout) , wohl von den Russen oder Wikingern: eine Peitsche mit Knoten; die russische nagaika (Russisch: нага́йка), der Kurbasch (aus Nilpferd- oder Nashornleder; ca 1m lang) der Osmanen (türk.: kırbaç), der afrikanische Sjambok.; der u.a. aus Karl Mays Büchern geläufige Ochsenziemer (oder -fiesel, laut Wörterbuch der deutschen Umgangssprache von M.Küpper war das "eigentlich das getrocknete und gelängte Geschlechtsglied des Ochsen" ) die Cat o' nine tails (Matrosenslang: neunschwänzige Katze (= Peitsche mit neun Riemen; daher auch "Not enough room to swing a cat:" ( vgl. frz. martinet, ) - und so weiter und so ewig fort.


unvollständiger Excur+ über besonder+ fiese Foltermethoden
Auspeitschen: bis die Haut in Fetzen hängt; die Schwielen entstellen i.d.R. ein Leben lang
Bastonade (Hiebe auf die bloßen Fußsohlen)
Gassenlaufen, auch Spießrutenlauf (vgl. das Lied "König von Preußen" im Anhang)
Stäupen: unehrenhaft; der Delinquent wird am Pranger geschlagen
Kielholen: der zu Strafende wird unter dem Kiel eines fahrenden Schiffes durchgezogen; kaum zu überleben!

Anhang: Ein Lied aus dem späten 18. Jhd; Verfasser unbekannt. Seit den 1970ern ein wieder oft gesungenes Lied über den grausamen Militärdienst, wie er nicht nur in der preußischen Armee gepflegt wurde:

1.

O König von Preußen,

du großer Potentat,

was sind wir deines Dienstes

so überdrüssig satt.

Was fangen wir nur an

in diesem Jammertal,

allwo ist nichts zu finden

als lauter Not und Qual.


2.

Und kommt das Frühjahr an,

da ist die große Hitz',

da muß man exerzieren,

daß ei'm der Buckel schwitzt.

Da muß man exerzieren

vom Morgen bis Mittag,

und das verfluchte Leben

das währt den ganzen Tag.


3.

Vom Exerzieren weg

geht's wieder auf die Wacht,

kein Teufel tut nicht fragen,

ob man gefressen hat.

Kein Branntwein in der Flaschen,

kein weißes Brot dabei;

ein schlechtes Tabakrauchen,

das ist er Zeitvertreib.


4.

Und kommt ein' frisch' Parad',

tut man ein falschen Schritt,

Dann hört man es schon rufen

der Kerl muß aus den Glied!

Patronentasche runter,

den Säbel abgelegt,

Und tapfer drauf geschmissen

bis er sich nicht mehr regt.



5.

Ihr Herren, nehmt's nicht Wunder,

wann einer desertiert,

wir werden wie die Hunde

mit Schlägen strapliziert;

und bringen sie uns wieder,

sie henken uns nicht auf,

das Kriegsrecht wird gesprochen:

Der Kerl muß Gassen lauf!


6.

Und wann wir Gassen laufen,

so spielet man uns auf

mit Waldhorn und Trompeten,

da geht es tapfer drauf;

da werden wir gehauen

von einem Musketier,

der eine hat's Bedauern,

der andre gönnt es mir.


7.

Und werden wir dann alt,

wo wenden wir uns hin?

Die Gesundheit ist verloren,

die Kräfte sind dahin!

Und endlich wird es heißen:

Ein Vogel und kein Nest!

Geh', Alter, nimm den Bettelsack,

bist auch Soldat gewest!


1Bondage, Discipline, Sadism, Masochism. Vgl. hierzu den verdächtig langen Wikpedia-Artikel, der in der deutschsprachigen Version zu den featured articles ("the best of Wikipedia") gehört.
2Jedoch nicht allen: Man denke z.B. an Fakire im Hinduismus!



Donnerstag, 11. Dezember 2014

rund und flach? fliegt!



Die Erde isr eine Scheibe.
Alles was rund und flach ist, fliegt.
Vor allem der Diskus, die Pizza und das Frisbee.

Schauen wir mal hin:



a) Griechenland der Antike.
In einer der olympischen Sportarten geht es darum, eine flache Scheibe möglichst weit fliegen zu lassen. Dieselbe Disziplin findet sich auch wieder in der wiederbelebten Form der Spiele (nicht: Olympiade. Das ist die Periode zwischen den Spielen, also vier Jahre, und damals waren es, needless to say, immer nur Sommerspiele und immer an demselben Ort: Olympia. Und weil wir gerade dabei sind: "Olympioniken" sind Olympiasieger, nicht etwa jeder Teilnehmer. Übrigens gab es olympische Spiele in der Antike von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr., also über 1000 Jahre! So.)
Diskus: Das moderne olympische Sportgerät ist kleiner (21 cm Durchmesser) als der ursprüngliche griechische: der hatte mit bis zu gut 300 cm Pizzagröße. Der Weltrekord liegt seit Jahrzehnten bei 74m (Männer; bei Frauen mit 76m sogar noch weiter);
Bei den Griechen waren die Teilnehmer der Spiele Männer, eingeölt und nackt. Diese Menschen hatten offenbar einen körperorientierten Sinn für Ästhetik; jedenfalls gibt es Kunstwerke, die dies nahelegen, wie etwa der Diskobolos (=Diskuswerfeer): der Athlet als Sinnbild des vollkommenen Körpers.

b) Pizza
Die Pizza gab's als belegtes Fladenbrot schon seit der Antike; das Wort soll (cf. engl. Wikipedia) schon im Jahre 997 belegt sein. Eigentlich ist das Wort etymologisch ungeklärt (dürfte aber mit dem Wort für Brot zusammenhängen, das im östlichen Mittelmeerraum gebräuchlich ist: pide, pita oder pitta.
Die Pizza wie wir sie kennen ist mit Auswanderern und Gastarbeitern in alle Welt gebracht worden.) Es gibt sogar Behauptungen, sie sei nicht in Neapel (wie es meistens heißt), sondern in Amerika erfunden worden. Fest steht jedoch, dass die erste Pizzeria, die in Deutschland aufmachte, 1953 (also fast noch in der Nachkriegszeit) in Würzburg gegründet wurde.
Die Pizza müsste eigentlich gut fliegen (entsprechende Wurftechnik vorausgesetzt), aber so geht man nicht mit Lebensmitteln um! Höchstens mit billigen Tiefkühlpizzen. Übrigens:
"Throwing" oder "tossing a pizza" bezieht sich auf die Kunst, den Pizzateig zu wirbeln, bis er schön weit "ausgezogen" ist. Das ist in Ordnung, wenn der Teig stimmt.

c) Frisbee
Am Anfang standen die Blech-Kuchendosendeckel einer Bäckerei in Connecticut. Es sprach sich unter Studenten des örtlichen College schnell herum, dass diese Deckel gute aerodynamische Eigenschaften hatten (wie vielleicht auch Pizzen, und Studenten treiben ja allerhand Unfug.). Ein Mensch namens Morrison hat dann die kommerziellen Möglichkeiten erkannt und ein scheibenförmiges Sport- und Spaßgerät "erfunden"; ein kalifornisches Unternehmen mit dem zeit- und landestypischen Namen Wham-O – wir sind in den 1950ern – kaufte ihm die Idee ab und ließ die Wurfscheibe patentieren. Inzwischen ist ein raffiniertes Sportgerät daraus geworden, das aber noch immer auf Wiesen und an Stränden zwanglos und improvisiert benutzt wird.
Nur: Warum heißt es eigentlich Frisbee?
Zum einen, weil die Bäckerei in Bridgeport, Connecticut, so hieß: Frisbie Bakery,
Zum zweiten, weil der Familienname der Betreiber, Frisbie, aus England stammt und in Leicesterhire schon im 13. Jahrhundert als "Frisby on the Wreak" nachgewiesen ist.
Übrigens heißt dabei das Fri- "Friesen" und -by ist das skandinavische (hier: dänische) Wort für "Siedlung, Ort". So heißen denn auch viele Orte Whitby, Grimsby, oder im Land der Pippi Langstrumpf – Buller.

d) Speichermedien
disc oder disk – was ist älter? Obwohl es die amerikanische Variante ist: disk ist älter. Wegen des Computers ist das Wort mit -k auch im Britischen geläufig als Bezeichnung für das Speichermedium (z.B. hard disk, floppy disk). Allerdings wurde die CD von Philips (NL) und Sony (J) erfunden, und die nannten sie disc; die Weiterentwicklung, die DVD, heißt deshalb auch Digital Versatile Disc, und auch die Blu-ray1 ist eine Disc
Übrigens fliegt auch eine CD, DVD oder Blu-ray Disc ausgezeichnet, wie vor ihr bereits die Single, LP und Schellackplatte. Wie gesagt: Alles was rund ist, fliegt2.


1 Übrigens sind sowohl DVS als auch Blu-ray Disc als Warenzeichen eingetragen, die Schallplatte war das nicht.
2 Die offensichtlich ausgemusterte VHS-Kassette ist weder rund, noch fliegt sie sonderlich gut.


Samstag, 8. November 2014

Die Bahn als Aufgabe

Alle Züge stehen still

Wenn dein starker Arm es will..."



Na gut: Im Original (Bundeslied des Vereins, der mal SPD werden sollte) heißt es eigentlich "Räder", aber vor kurzem waren es ja die Züge, und die standen nicht etwa still, weil irgendein starker Arm es gewollt hätte, sondern die Lokführergewerkschaft GDL. Davon handelt dieser Artikel nicht.

Angeblich steht DB für "Die Bahn". Natürlich nicht: Das Unternehmen ist ja 1994 eine AG geworden, (oder wie ein befreundeter Schweizer immer so schön sagt: DéBe Áge). Natürlich heißt das noch Deutsche Bahn; das weiß bloß keiner. Auf ihrer eigenen Website heißt das Unternehmen allen ernstes "DB. Mobility Networks Logistics'. (Und jetzt fragen Sie einmal in Ihrem Bekanntenkreis, ob sich das Logistics mit 'g' spricht oder Lodschistiks mit 'dsch' wie in 'Dschungel'. Das ist, sei gleich zugegeben, selbst unter Muttersprachlern umstritten. Wieso wir das können sollen, ist unklar.)



Mit dem AG ist es auch so eine Sache: Einziger Aktionär ist die BRD; das Unternehmen ist im Staatsbesitz (wie weiland die Bundesbahn und die Reichsbahn - die Bahn der DDR hieß noch so!)

Die Bahn hat also jetzt Vorstand und Aufsichtsrat und wird wie eine AG geführt. Letzteres bedeutet, dass sie nach Möglichkeit keine Verluste einfahren soll. Ob das sinnvoll ist, soll hier nicht erörtert werden. Auf uns warten andere Aufgaben.


Drei von zahllosen Töchtern
Dass die Bahn – unsere Bahn! - sich nicht nur auf Englisch benennt, weil der Konzern DB nicht nur laut Website "in mehr als 130 Ländern" aktiv ist und Deutschland dabei immerhin "Kern des Unternehmens" bleibt, ist wohl auch der Grund dafür, dass man dabei das berühmt-berüchtigte Bahn-Englisch zu hören bekommt. "Sänk ju for träweling wiss.." - man kennt das ja. Nun wollen wir uns nicht über Menschen lustig machen, denen das Schicksal nicht vergönnt hat, Englisch zu können. Warum man allerdings gerade die ans Mikrofon galubt setzten zu müssen..

.
(Auf) Vorfahrt achten!
Unser heutiges Thema war ja "Die Bahn als Aufgabe", und wir wollen nicht abschweifen. Aufgabe heißt es in diesem Fall , weil

  1. - die verantwortlichen (?!) Politiker die Verantwortung für die Bahn letztlich aufgegeben haben,
  2. die Bahn mehr und mehr zur Aufgabe geworden ist, und nicht zur Lösung Im Mathe-Unterricht hatte jede Aufgabe mindestens einen korrekten Lösungsweg; bei der Bahn gibt es trotz Strecken-Stilllegungen noch viele Wege, aber keine allgemein akzeptierte Lösung.
  3. Der Kunde schließlich steht vor einer Reihe von Aufgaben, die kaum zu lösen sind. Das erste ist das Lösen (!) eines Fahrscheins (billet) am zuständigen Automaten (distributeur des billets). Ich muss leider zugeben, dass ich damit kaum Erfahrung habe; immerhin waren das letzte Mal Bahnangestellte (staff) abgeordnet, um den Kunden zu beraten. Die Bedienung war also vermutlich kompliziert.

Aber wir sind ja modern und machen so etwas am Computer (online). Wer nun meint, die entsprechende Internet-booking-Website sei undurchsichtig, untertreibt massiv. Wenn es wahr ist, dass wir mit unseren Aufgaben wachsen, erkennt man Bahn-Nutzer an der geneigten Körperhaltung, wie sie für besonders bei langen Menschen vorkommt.



Achten Sie mal darauf!

Und noch etwas: Wenn SIe demnächst wieder einmal auf der Autobahn das Gefühl beschleicht, dass die rechte Spur (LKW Stoßstange an Stoßstange) inwischen nur noch dem Güterverkehr dient - das tut sie auch. Bei der Bahn, wo die Güter an sich hingehören, landen nur noch ganze 17% der transportierten Güter-

Montag, 13. Oktober 2014

Marxismus-Lennonismus??

Erst freut man sich wohl über die wortspielenden Briefmarken: Marx und Lenin, nein, Lennon! Und Marx ist hier auch Groucho und nicht Karl. Wie lustig! Wer bringt so etwas als Briefmarke heraus? Das, was auf den ersten Blick wie Russisch aussieht, ist irgendwie auch anders, aber – da steht's ja auch auf Englisch. Republic of Abkhazia (dann auf Deutsch wohl 'Abchasien').  



Was ist denn das nun wieder? Nun, um es kurz zu machen: Abchasien ist der westlichste Teil von Georgien, der aus komplizierten Gründen (geschichtlicher Art) glaubt, kulturell und überhaupt eben nicht Georgien zu sein, sondern eigenständig. Völkerrechtlich ist es das nicht, und nur sechs Staaten erkennen Abchasien überhaupt an, darunter so mächtige Nationen wie das Südsee-Inselchen Nauru oder das Inselreich Vanuatu (aber auch, das sei zugegeben, Russland. Putin wird schon wissen, warum).




Wirtschaftlich hängt das Land völlig von Russland ab; ein Versuch, sich eine eigene Einkommensquelle zu erschließen, scheinen Briefmarken zu sein, von denen einige originell genug sind, um sich auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Andere "Winz"-Staaten praktizieren so etwas schon sein Jahrzehnten: Man denke etwa an San Marino.

Eine Landkarte ohne großen Wert
(Abchasien)
Lennon ist irisch und bedeutet (abgeleitet von O'Lennain oder Leannán oder Lonain – was Schreibweisen angeht, war man früher viel unbekümmerter; das gilt, dünkt mich, für das Irische ganz besonders) vermutlich in irgend einer Form 'Sohn des Lónan' ergo: 'Amsel'; nach anderen Quellen könnte es auch 'Liebhaber' heißen. Genaues weiß man also nicht. Bekannte Iren dieses Namens: die Lennons of Fermanagh.



Natürlich spielt die Briefmarke auf Lenin an. Der historische hieß ja Владимир Ильич Ульянов, und Lenin ist ein Pseudonym, buchstäblich ein nom de guerre, vermutlich abgeleitet vom sibirischen Fluss dieses Namens. Laut Wikipedia benutzte er noch andere Namen, wie etwa Meier, Frei und Peterburzhets.



Marx – ein Name, der erstaunlich schwer online zu recherchieren ist. Die meisten Web-Adressen, die sich mit (Nach-) Namen beschäftigen, sind interessiert an Genealogie, also Ahnenforschung, und weniger an der Bedeutung von Namen. So bekommt man relativ oft Karten, die die Verbreitung von Nachnamen zeigen sollen (was die wahren Verhältnisse meist stark verzerrt), lange Listen über die Beliebtheit von Namen – jetzt fehlt nur noch ein Ranking nach dem Motto "Die effektivsten Nachnamen Deutschlands" -; wenigstens eine Website will mir beweisen, dass Namen unser Leben bestimmen usw. Fast will es scheinen, als ob keiner was genaues wüsste.
deutsche-nachnamen.de  fragt mich tatsächlich "Meinten Sie Mars?" Nein, meinte ich nicht.  



Man wundert sich: Karl aus Aachen hieß Marx, und eine ganze Ideologie wurde nach ihm benannt. Reicht das nicht? Oder: Groucho, Harpo, Chico und Zeppo drehten über ein Dutzend Filme. Aber keiner weiß, wo der Name herkommt? Gut, die Filme waren eher albern, aber reicht das für ein "Es konnten keine Suchergebnisse (auf Deutsch) für „marx“ gefunden werden!"? (das "auf Deutsch" ist übrigens eine arge Hochstapelei, denn andere Optionen kennt die Site nicht.
freie Bearbeitung des Wappens
von Wolhynien


Also, vorläufiges Fazit: Genealogie per Internet ist eine seltsam ungenaue, oft irreführende Angelegenheit. Zumindest gilt das für die Websites, die ich konsultierte. Letztlich landet man tatsächlich wieder bei – Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Marx_(Familienname)). Dieser Quelle nach ist der Name eine alternative Schreibweise zu Markus (so erklärt sich ja auch der merkwürdig anmutende Name eines ehemaligen Klosters in Würzburg: "St.Marx".
Aber mal unter uns: Sowohl die Marx Bros. als auch Karl Marx waren Juden – im Falle von Karl 'jüdischer Abstammung', und das will mit einem christlichen Kloster nicht recht zusammengehen.



Das muss aber auch nicht sein: Als jüdischer Name ist dies, so Wikipedia, ein "Ersatzname für Mordechai." Wieso man für Mordechai einen Ersatznamen braucht? Könnte sein, dass Mordechai zu offensichtlich jüdisch klingt? Das klingt interessant, doch führt es hier zu weit weg von der Briefmarke und Abchasien. Der Leser möge selbst recherchieren.





A propos Winz-Staaten: Es gibt eine ganze Reihe von Territorien, die das Schicksal von Abchasien teilen. Man will sich vom 'Mutterland' lossagen, oder hat sich bereits losgesagt, und keiner glaubt einem. Niemand interessiert es, dass man eine alte Kulturnation ist, irgendwann einmal ein selbständiges Fürstentum war (wie Monaco, San Marino oder Liechtenstein es heute noch sind) und dass man überhaupt Freiheit über alles liebt, wie diverse patriotische Gesänge aus verstaubten Jahrhunderten beweisen. Ja, die Sprache des Landes ist so alt, dass sie inzwischen kaum noch jemand versteht – und was dergleichen Argumente noch mehr sind.

sic transit gloria mundi:
So vergeht der Ruhm der Welt
Und? haben diese Völker nicht auch das Recht auf Selbstbestimmung? Ist die Größe eines Landes wichtig? (Warum gibt es dann Nauru?). Ist es der Reichtum an Bodenschätzen, oder werden solche Mikro-Nationen von den mächtigeren Völkern als Schachfiguren benutzt? Einfach nur Pech gehabt?



Die Antwort liegt auf der Hand: Ja.



Nationen, die vom Zerfall der Sowjetunion übrig geblieben sind:
     Süd-Ossetien, Berg Karabach, Transnistrien

Nationen, von denen einige der eben erwähnten Nicht-Staaten abgefallen sind, die selbst aus dem Zerfall der o.g. Sowjetunion resultieren, aber mehr Glück hatten und international anerkannt sind:

      Georgien, Moldawien, Aserbeidschan

Nationen, die es (noch) nicht geschafft haben, den Status als Kolonie abzuschütteln:

      Sahara, Somaliland, Punt, West-Neuguinea,  

Nationen, die bis auf weiteres von anderen kontrolliert werden

      West-Neuguinea ("Iryan Jaya"), Palästina, Wa, Tibet

Nationen, die einmal jemand waren, was aber heute keine Rolle spielt:

      Königreiche wie Burgund, Böhmen oder Bayern, Zarenreiche wie Bulgarien,  
      das Khanat der Krim, der Kirchenstaat, die Walachei, Galizien oder das
      Fürstentum Halytsch-Wolodymyr.  


Die Liste ist endlos, sinnlos, aber reizvoll.



Es gibt im Englischen eine Redewendung: "There, but for the grace of God [go I]"  soll jemand beim Anblick von zum Tode Verurteilten gesagt haben, die auf dem Weg zur Hinrichtung waren; "wäre Gott mir nicht gnädig gewesen, wäre ich einer von diesen"1 Im Falle von Nationen, Völkern und freiheitsliebenden Ethnien ist Gott oft auch gnädig und lässt sie am Tisch der Nationen Platz nehmen. Manchmal lacht er dann und schickt sie wieder fort...




1Hier streikt übrigens ausnahmsweise auch Linguee:

[...] nach Hause; und als ich sah, daß die arme Katze, die beseitigt wurde,  ich, aber für die Anmut des Gottes, gehen I." dachte, also könnte Himmel eine bessere Lebensdauer sein