Mal was über Orange.

Orange?

Dienstag, 2. August 2016

Sciencefiction

Was ist, und zu welchem Ende studiert man SF? (um einmal Schilleri zu paraphrasieren).
Zunächst einmal ist Science-Fiction (die in der Überschrift verwendete Zusammenschreibung erlaubt der Duden zwar auch, erklärt aber nicht, wieso. Kein vernünftiger Mensch, geschweige denn hardcore-SF-Fans wäre auf sowas gekommen) ein irritierender Begriff. SF ist weder Wissenschaft, noch hat sie diese zum Thema. Wenigstens nicht vorwiegend.

Im deutschen Sprachraum nannte man sie "utopische Romaneii" oder dann auch "Zukunftsromane": Erzählungen von der Wissenschaft (und Technik), in einer Welt von morgen.  
Die Zukunft würde ganz anders sein, und dies war primär durch Fortschritt in Wissenschaft (und Technik – das ging immer Hand in Hand) begründet. Daher handelte das, was man später Science Fiction nennen sollte, von einer von wissenschaftlichen Erkenntnissen organisierten und von Technik gestalteten Welt, wie wir sie uns kaum vorzustellen wagten.
Die Zukunft, wie sie (fast) jeder kennt:
Fritz Langs Metropolis
Die Welt wäre ganz anders. Klar, sonst lohnte sich die Zukunft ja gar nicht. Auffällig ist ja, dass die SF im heutigen Sinn sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte, als eben die Technik dabei war, die Lebenswelt der Menschen (und die Wissenschaft ihren Horizont) gründlich zu verändern. Man extrapolierte lediglich das Offensichtliche in die (nicht immer weit entfernte) Zukunft. Das war zunächst Aufregung genug.

Interessant ist dabei, dass selbst scheinbar geniale "Zukunftsromane" – gönnen wir uns dieses Wort doch noch einmal – eines fast nie vorausahnten: die explosive Entwicklung des Individualverkehrs. Letztlich ist keine technische Entwicklung der letzten anderthalb Jahrhunderte so folgenreich gewesen wie das Auto – in technischer, politischer wie ökonomischer und psychologischer Hinsicht. Aber auch ein Jules Verne ahnte nicht, was da auf die Menschheit zukam.

"Technik" heißt in diesem Zusammenhang: Raketen, Roboter, Elektronengehirne und überlegene Waffentechnik. Spielt man einmal durch, welche Veränderungen diese bewirken können, stößt man – zumindest in der anspruchsvolleren Literatur – sehr bald auf die Frage, was sie mit dem Menschen, seiner Moral und seinem Verhalten anstellen. Bei Raketeniii und bei Robotern kann man vielleicht vermuten, dass erstere Reisen in faszinierende andere Welten ermöglichen, und dass letztere dem Menschen willfährige Sklaven sein könnten. Aber überlegene Waffentechnik? Gegen wen? Und die Elektronengehirne (heute "Computer") sind doch sicher nur ein willkommenes Werkzeug, oder?

Letztlich stellt literarische SF fast immer, explizit oder implizit, die Frage nach der Gesellschaft und nach der Rolle, die sie dem Einzelnen zukommen lässt. Im einfachsten Fall, bei der hard SF, in der die Menschheit endlich in die Tiefen des Weltraums vordringt, stößt sie dabei irgendwann auf andere vernunftbegabte Lebewesen, sogenannte aliens. space wars werden ausgetragen: space operas. Das allein trägt nicht (und seit der Mensch auf dem Mond war, klingt das geradezu unspannend): Auf die aliens kann man reagieren, indem man Bündnisse mit ihnen eingeht, selbst mit Klingonen, oder, was wahrscheinlicher ist, indem man sie vernichtet. Man hat ja die überlegeneren Waffen. Das führt dann gelegentlich zu megalomanen Träumereien à la Perry Rhodaniv, und in die Abgründe des Kitsches.
Alien?
                                                                                          (Libelle!)
Die Auseinandersetzungen mit ihnen können epische Formen annehmen,

Weil wir gerade vom Kitsch reden: Das, was die meisten Menschen heute unter SF verstehen, stammt aus dem Kino oder vom TV: Serien wie Startrek ("Raumschiff Enterprise") oder Filme wie Star Wars, Independence Day oder War of the Worlds sind vor allem eins: Orgien von special effects, bei denen nicht die Handlung wichtig ist, sondern das Krachen, Blitzen und Wummern in Dolby digital. Was übrigens völliger Quatsch ist, denn da das All keine Atmosphäre hat, können sich auch keine Schallwellen ausbreiten; der echte Krieg der Sterne spielte sich in völliger Stille ab!

War of the Worlds
Wieder einmal der Weltuntergang...
Bei vielen Menschen steht SF also für triviale, oberflächliche Unterhaltung und nicht viel mehr. Wie bei vielen anderen Genres auch (Kriminalfilme zum Beispiel haben ebenso oft kaum Tiefgang, und Historienfilme sind oft Schnulzen, und fast alle Western sind historisch eher fragwürdig) gibt es gute und schlechte SF.

Oder, wie Kingsley Amis es ausdrückte: 
SF's no good, they bellow till they're deaf

And if it's good, why, then it's not SF

- etwa: wenn's gut ist, kann's keine SF sein!

Roboterv (das Wort stammt aus dem Tschechischen und ist abgeleitet von robota, "Arbeit, Fron") sind ein Konzept: Maschinen (im weitesten Sinn), die uns dienen und für uns arbeiten. Es gibt sie schon, aber nicht halb so perfekt, wie sich das die Menschheit erträumt hatte. Noch nicht. Immerhin gibt es bereits etwas wie die Three Laws of Robotics, erfunden von dem amerikanischen SF-Autor Isaac Asimov. Die drei Gebote für Roboter sind: 1) Du darfst keinen Menschen töten; 2) Du must dem Menschen gehorchen (außer, wenn du gegen Gebot 1 verlstoßen würdest), und 3) Du musst überleben (es sei denn, du verstößt dabei gegen Gebote 1 oder 2). So könnte man Roboter programmieren und dann relativ bedenkenlos in den Dienst nehmen. Vielleicht sollte man jedoch noch ein Gebot einführen, auch wenn es kompliziert wird: 4) Du sollst nicht anfangen, selbst denken zu wollen. Das ist das Problem der artificial intelligence (AI), der künstlichen Intelligenz.
"We come in peace"
Aus dem Film The Day the Earth Stood Still


Zugrunde liegt dabei ein viel älteres Problem, nämlich das Verhältnis von Mensch und Maschine, der Golem, Goethes Zauberlehrling: Herr, die Not ist groß!/ Die ich rief, die Geister/ werd ich nun nicht los. Oder moderner: Der Aufstand der Maschinen gegen den Menschen. Je komplexer die Maschinen, desto gefährlicher: Man denke nur an den Bordcomputer HAL in Stanley Kubricks Film 2001 A Space Odyssey, der das Überleben der Crew sabotiert, weil er – hierin geradezu menschlich – sein eigenes Überleben für wichtiger hält. Und das war 1968, eine Zeit, in der die Computer vergleichsweise wenig Rechenleistung hatten. Heute kann jedes Handy mehr: man sei also auf der Hut!

A propos Computer: wissen Sie, was ein bot ist? Ein zu autonomem Verhalten fähiger Software-Agent (im Sinne von "Handelnder"), ein Roboter, der ein Stück Software ist. Gruselig, oder Brave New World? (A. Huxleys "Schöne neue Welt" von 1932).

Überhaupt: Wie wird sie aussehen, die schöne neue Welt? Wird es die ideale Welt sein, ein Paradies für alle? Oder etwas, das vielleicht schlimmer ist als alles bisher Dagewesene? Die ideale Welt – wie sähe sie aus? Welchen Spielregen wäre sie unterworfen – oder gibt es so etwas wie die totale Freiheit für alle? Beschreibungen solcher Welten gab es in der Literatur immer wieder; man nennt sie Utopien: vom Griechischen οὐ- "nicht-“ und τόπος  "Ort“, also "kein Ort, nirgends". So hieß ein Buch von dem englischen Staatsmann (unter König Heinrich VIII) und Autor Thomas More, das 1516 erschien (unter dem Titel De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia: "die Verfassung des optimalen Staats..."), und wie alle literarischen Utopien langweilig und freudlos. Verordnete Harmonie funktioniert nur bedingt, beschränkt die Freiheit des Einzelnen - und sie macht vor allem keinen Spaß.

Daneben gibt es die für einen Schriftsteller reizvollere Schilderung des totalen Staats als Unterdrückungsmaschine, die sogenannte Dystopie (wobei dys- "schlecht", "übel" bedeutet: der Staat als Anti-Utopie). Die bekanntesten dürften sein: Yevgenyi Zamyatin, Мы ["Wir"]vi (1920); Aldous Huxley, Brave New World (1932); George Orwell 1984 (1949); Ray Bradbury, Fahrenheit 451vii (1953); John Burgess, A Clockwork Orange (1962; Kubrick film 1971); John Brunner, The Sheep Look Up (1972) – und ständig werden es mehr.
Anlässlich einer Ausstellungviii schrieb unlängst Christian Schlüter in der Frankfurter Rundschau: "...in der Science-Fiction geben wir uns der Lust an der größtmöglichen Katastrophe hin. Das ist die eigentliche politische Botschaft dieses Genres:" Das verkennt die Lust an der größtmöglichen Unterhaltung durch spektakuläre Effects auf den Mega-Leinwänden heutiger Kinos: Das, und nicht etwa eigentliche politische Botschaften reizt das Publikum.ix

Was will SF? Unterhalten – ja, doch schon auch. Aber eben auch mehr: Aufrütteln, warnen, Entwicklungen vorhersagen, zum Nachdenken bringen. Space operas; man in space: "hard SF" – ist nicht alles; nicht immer kommen Raketen, UFOs, Raumschiffe vor! Nicht immer geht es um die Zukunft – im Jahr 1948 schrieb Orwell 1984, um vor einem totalitären Überwachungsstaat zu warnen, wie er ihn unter Hitler und Stalin, den Big Brothers seiner Zeit, erlebt hatte, nur noch perfekter.

Verwandt damit sind Zeitreisen und alternatex histories. Es handelt sich bei letzteren um "What if"-Stories: "Was wäre wenn" die Geschichte anders abgelaufen wäre: Hitler hätte den Krieg gewonnen, oder Die Chinesen hätten Europa entdeckt, oder Nach dem Bürgerkrieg wäre Amerika in drei verschiedene Staaten zerfallen. Reizvolle Gedankenspiele, die nicht viel an wichtigen Einsichten gewähren, aber verfilmt doch einiges hergeben müssten; seltsamerweise sind sie selten. Beliebter sind die Zeitreisen: Abgesehen davon, dass sie in zwei Richtungen weisen können, zurück in die Vergangenheit oder voraus in die Zukunft, eröffnen sie rasch logische oder gar paradoxe Situationen, mitunter sogar philosophische Fragen.

Um die anfangs aufgeworfene Frage – warum ...studiert man SF? - zu ihrer Conclusio zu führen: Weil kein anderes Medium erlaubt, so viele Aspekte unseres Erdenxidaseins auf so reizvolle und unterhaltsame Weise zu beleuchten.

Ein Letztes noch: Wenn im SF-Film die Notwendigkeit auftaucht, mit aliens zu kommunizieren, ist das meist kein unüberwindbares Problem: Entweder der Bordcomputer des eigenen Raumkreuzers kann aber nun wirklich alle Sprachen, oder Hilfsmittel wie Babelfische erleichtern die Kommunikation. In der SF-Literatur drückt man sich hingegen viel weniger vor solchen Kommunikationsproblemen; vielfach werden diese sogar thematisiert (am radikalsten wohl in S.Lems Roman Solaris), aber sie würden im Film eventuell zu langweiligxii. Schade!

iFriedrich Schiller sprach zwar von Universalgeschichte, aber es gab zu seiner Zeit auch wenig gute SF...
iiUnd es sind in der Tat fast nur Romane (und Erzählungen): weder gibt es nennenswerte SF-Lyrik, noch entsprechende Theaterstücke.
iiinatürlich kamen nach den Raketen die immer größeren Raumschiffe...
ivFür den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie nicht wissen, wer das ist: Perry Rhodan ist der fast göttergleiche Herrscher des Universums, wie er in hunderten von Heften beschrieben ist – Deutschlands wenig rühmlicher Beitrag zur internationalen SF.
vOft auch Cyborgs (von 'cybernetic organisms') oder Androids genannt, wenn sie weniger aussehen wie Maschinen und äußerlich dem Menschen gleichen. Das, was Sie von Ihrem Smartphone her kennen, heißt jedoch nur so und ähnelt dem Menschen kein bisschen.
viZamyatins Werk erinnert stark an Orwell – Es erschein jedoch fast 30 Jahre früher!
viic.233°C. Das ist die Temperatur, bei der Papier brennt (oder Bücher, wie in diesem Roman).
viii"Things to Come" in der Deutsche Kinemathek, Berlin. Noch bis 23 April 2017
ixWenn bei der Eröffnung der Ausstellung von "einer erstaunlichen, nunmehr zwanzig Jahre andauernden Konjunktur des Genres" (Rainer Rother) die Rede ist, gilt dies doch eigentlich nur für den SF-Film; für dir Literatur gilt dies nur sehr bedingt (z.B. dann, wenn man die zahllosen spinoffs der Star Wars Reihe mit einrechnet)
xhat sich eingebürgert und ist irreführend: gemeint ist alternative; alternate hieße "sich abwechselnd"
xi(Solar System 3rd planet; humanoid lifeforms)
xiiVgl. auch eine Vielzahl von Westernfilmen, bei denen die Indianer [zwar gebrochenes, aber immerhin:] Englisch reden. Im Übrigen – und nicht nur im Western – gilt: Je platter der Film, desto mehr grausigen Akzent sprechen die Gangster, aber praktisch immer korrekte Grammatik...!

Donnerstag, 23. Juni 2016

Ist das noch Deutsch, oder soll das schon Englisch sein?

Man hört es in letzter Zeit überall, sogar in seriösen Nachrichtensendungen: So etwas wie 'Dschurnalist', wenn 'Journalist' gemeint ist. Nun, Journalist ist entweder französisch /ʒʊʁnaˈlɪst/ oder englisch /ˈɜːnəlɪst/; das deutsche Wort aber /dʒʊʁnaˈlɪst/ auszusprechen, also mit dem englischen Anlaut ( /dʒ/-) und gleichzeitig dem französischen Vokal (-/ʊ/-) in der ersten Silbe, ist Banausentum. Vielleicht sollte man es konsequenter deutsch aussprechen: /jurnalist/, mit /j/- [wie Johann] am Anfang.

Ähnlich bei Aubergine: /obɐˈʒiːnə/ oder /egplant/, aber eben auch nix -/dʒ/- ! Faustregel ist: Isses französisch, spricht man -/ʒ/-, wenn englisch, dann -/dʒ/-.

Bei London ist es ähnlich: London / london/ (bzw. /ˈlɔndɔn/, wie der Aussprache-Duden schreibt) ist völlig korrektes Deutsch; /ˈlʌndən/ ist die übliche Aussprache in England. Please note: two syllables in either case! /londn/ oder /landn/ ist verkorkstes Englisch (z.B. Edgar-Wallace-Verfilmungen der 60er Jahre).


Ach ja, und nochwas: Greenwich, der Londoner Stadtteil mit dem Royal Observatory und dem Nullmeridian, spricht sich /ɡrɪinɪdʒ/; eigentlich ja /ɡrenɪdʒ/- so spricht man es vor Ort – aber nicht /ɡrɪnwɪdʒ/ (keine grüne Hexe!), und Islington heißt /ˈɪzlɪŋtən/ und nicht etwa /'ailɪŋtən/. Die meisten anderen Stadtteile von London sprechen sich meist schon so, wie man meint.

Von den zahllosen (und nicht immer besonders tiefgründigen) You-tube-Videos, auf denen irgendwelche Leute ihre Sprachgewandtheit vorführen wollen – wozu auch immer – auf sei eines verwiesen, das wirklich ganz goldig gemacht ist: https://www.youtube.com/watch?v=9q7VjLVU8Ec. London kommt zwar nicht vor – das Video wendet sich vor allem an Amerikaner, und die kriegen 'London' meist hin.

Soße für die Gans

What's sauce for the goose
is sauce for the gander*
(Englische Redewendung)

Alles eine Soße?

Sauce ist französisch für Soße, von lat. salsus, "gesalzen"; daher auch spanisch salsa. Salsicus ist lat. für "mit Salz gewürzt", daher französisch saucisse, die Wurst. Aber um die geht es hier gar nicht. Gibt es Sauce auch auf Deutsch?

Ein schönes, heute kaum gebräuchliches Wort ist 'Tunke'; das engl. dip heißt dasselbe: was zum Reinstippen. Saucen/Soßen gibt es kalt und warm; die raffinierteren sind aufgeschlagen; beherrscht man ein paar Grundformen, lassen sich diese i.d.R. erweitern und variieren. Faustregel: Kalte Soßen sind (meist) für Salate, warme für Nudeln, und aufgeschlagene für die gehobenere Speisekarte.

Salatsoßen: die einfachste ist die mit Essig (frz. vinaigre) und Öl, Salz und Pfeffer nach Gusto. Vinaigrette nennt sie der Feinschmecker. Alle anderen Salatsoßen heißen heutzutage Dressing. Eine (mit einem Hauch von Knoblauch und etwas Senf) subtil verfeinerte Vinaigrette nennt man Italian Dressing. Am anderen Ende des Spektrums steht die amerikanische Thousand-Island-Dressing, die fast immer als Fertigprodukt aus dem Supermarkt kommt (etwas verfeinert ergibt sich die Russian Dressing).

Viele Soßen sind rot; in Italien heißen sie Sugo und sind meist auf Tomatenbasis (salsa (!) di pomodoro), von napoletana und amatriciana (nach ihren Herkunftsorten benannt) bis zur arrabiata – letztere ist ein wenig scharf, hat aber dennoch nichts mit 'arabisch' zu tun, sondern eher mit 'rabiat', "mit leidenschaftlichen Gefühlen".

Grüne Soßen, ob sauce verte oder salsa verde: es gibt viele Varianten der Gewürz- und Kräutersoßen, aber nur eine Grie Soß. Diese kommt im Original aus Frankfurt und besteht aus nicht weniger (aber auch nicht mehr!) als sieben Kräutern: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Wer nun zu faul ist zum Suchen, und wer weder Pimpinelle noch Kerbel erkennt, kauft die Kräuter auf dem Wochenmarkt. Denn merke: Nur mit Petersilie und Schnittlauch geht’s nicht!

"Fertige" kalte Soßen sind Ketchup, Mayonnaise (auch liebevoll "Mayo" genannt) und Remouladensoße. Ketchup (und seine Varianten) scheint zum Grillen dazuzugehören wie Steak und Bier; er ist eigentlich eine amerikanische Unsitte – trotz des seltsamen Namens (der wiederum aus Südostasien stammt); er enthält neben Tomaten erstaunliche Mengen Zucker. Mayonnaise soll – so die Theorie – nach der balearischen Hafenstadt Mahón benannt sein, stammt aber aus der französischen Küche und besteht im Wesentlichen aus Eigelb und Öl. Mit Knoblauch zusammen ergibt das die sauce aioli, die der Frankreichfreund aus der Provence kennt. Wird die Mayonnaise mit Essig, Senf und Kräutern (und kleinen Essiggürkchenstücken) verrührt, nennt man das ganze sauce remoulade, oder halt Remouladensoße.

Die oben erwähnten aufgeschlagenen Soßen sind für den Laien etwas heikel in der Zubereitung, da warme Bestandteile mit Eigelb und diversen anderen Zutaten vorsichtig mit dem Schneebesen schaumig geschlagen und verrührt werden; am bekanntesten ist wohl die s. hollandaise (zum Spargel) und die s. bearnaise (die nicht aus der Region Bearn in Frankreich stammt, aber von einem bearnaisischen Koch erfunden wurde). Quasi als Vorübung für diese Soßen kann man sich an der sauce béchamel versuchen, bei der Ei nicht zwingend vorgeschrieben ist.
nach einem Bild von Jan Davidszoon de Heem (1648)


Würzsoßen dienen dem Würzen diversester Küchenprodukte, viele von ihnen sind Geschmackssache (oder, wie man auf Englisch sagt. an acquired taste: gewöhnungsbedürftig). Die Worcester[shire]sauce (sprich: wuster- !), die Austernsoße, Teriyaki, Senf, Sambal und Tabasco, Sojasoße, Chutney und HP Sauce und, vor allem und überhaupt: Maggi!

Eine gute Soße (hier sollte man vielleicht dann doch 'Sauce' schreiben, denn die gehobene Küche spricht immer noch Französisch) ist das A und das O der guten Küche. Und ganze Welten der (Saucen-)Kochkunst wurden hier noch gar nicht erwähnt, von Veloutés und Jus bis hin zu den zusammengesetzten Saucen , ob braun oder weiß. Ganz zu schweigen vom kunstvollen Saucenspiegel...

All das ist verlorene Liebesmüh' bei der nächsten Generation: Kinder wollen keine kompliziert angerührten oder befremdlich riechenden Soßen; sie wollen nur zweierlei, und das in rauen Mengen: Ketchup (das kennen sie von McDonald's) und – Schokoladensoße.
*etwa: "Gleiches Recht für alle". Wörtl.: "Die Soße für die Gans ist auch die für den Gänserich".

Sonntag, 29. Mai 2016

Deutschland ...nicht nur Dichter und Denker

Frank, Leonard (1882-1961) dt. Schriftsteller
Baier, Frank (1943- ) dt. Sänger und Liedermacher
Schwab, Gustav (1792-1850) dt. Schriftsteller
Bader, Anna (1983- ) dt. Klippenspringerin
Hesse, Hermann (1877-1962) dt. Schriftsteller
Sachs, Hans (1494-1576)d t. Schriftsteller
Anhalt, Heinrich Wilhelm von (1734-1801) königl. preuß. Genralleutnant; Erbe einer goldenen Tabaksdose von Friedrich II, galt als intrigant u. war deshalb viel gehaßt.
Berlin, Irving (1888-1989) russischstämmiger amerikanischer Komponist
Düringer, Wolfgang (1961- ) unterfr. Büttenredner aus Gochsheim
Westphalen, Joseph von (1945- ) dt. Schriftsteller und Satiriker
Bremer, Uwe (1940- ) Grafiker und Illustrator (v.a. für H.C. Artmann)
Hamburger, Käte (1896-1992) Philologin und -sophin
Holstein, Fritz von (1837–1909) Geheimrat und nicht der Erfinder des Schnitzel Holstein
Friese, Friedemann (1970- ) dt. Spieleautor ("Fische Fluppen Frikadellen", "Friesematenten")
Mecklenburg1, Karl (1960- ) Ami und Linebacker bei den Denver Broncos
Pommer, Emil (1856–1933) Ökonomierat und Zuckerrübernexperte

umzingelt von Freunden
Pohl, Dieter (1934- ) Heimatforscher (über die schlesische Grafschaft Glatz2)
Böhm, Karlheinz (1928- ) Sissis Gemahl und ein guter Mensch
Österreicher, Helmut (1956- ) Spitzenkoch aus Austria (in Wien eine Institution!)
Schweitzer, Albert (1875-1965) mit Bach nach Afrika
Franzos, Karl-Emil (1848-1904) K.-u-.K-Autor aus Galizien
Luxemburg, Rosa (1871-1919) dt Frauenrechtlerin, Kommunistin und Pazifistin
Belge, Murat (1943- ) linksliberaler türk. Publizist
Hollaender, Friedrich (1896-1976) Kabarettist der Weimarer Republik
Dehne, August (1796–1875), Sohn des deutschen Zuckerbäckergesellen Ludwig Dehne
1Mecklenburg kommt vor Pommer!
2heute pohlnisch

neuere Rechtschreibung

Wir sind sprachlich längst eine Multikulti-Gesellschaft und holen uns unsere Wörter von überall her, von Polen ("Gurke") bis Polynesien ("tabu").

Nur - wie das oft so ist: ganz klappt es noch nicht mit der Integration. Rein orthographisch liegt einiges im Argen.

Dabei geht es auch anders; im penetrant fortschrittlichen Schweden wird aus dem behäbigen Fremdkörper "Fauteuil" ein geradezu ikea-fähiges "fotölj"... aber auch die Ungarn schreiben "szendvics" in korrekt ungarischer Rechtschreibung.

Wir dagegen erfinden sogar neue Wörter und schreiben sie englisch, wenn uns das englischsprachige Original zu wenig exotisch vorkommt: was die Amerikaner "cell phone" nennen und die Briten "mobile" nennen wir "Handy", aber schreiben es nicht so: "Hendi".

Wiederum die Schweizer nennen das Ding "Natel", aber die sagen ja auch "Röschti" wenn sie "Bratkartoffeln" meinen.

Jedenfalls - und jetzt kommt's - soll hier eine zweite Stufe der Rechtschreibung vorgeschlagen werden. Ich möchte sie "Zurechtschreibreform" nennen: eine konsequente orthographische Deutschschreibung fremder Wörter! Sagen Sie nicht: das klappt nie und nimmer! Das hat schon einmal funktioniert, seit Bahlsen seine beliebten "cakes" nur noch "Keks" schreibt.

Hier ein paar Kandidaten, denen eine konsequente Germanisierung gut täte: nehmen Sie Recycling. Recyclen (recyceln) Sie auch? Ich habe gestern erst recyclet (recycelt? recycled??). Recyceln (...clen) sieht nicht enmal im Infinitiv vernünftig aus. Warum nicht so: "riseikeln"? Warum nicht "diseinen" statt "designen" (designt?!); "daunlouden" statt "downloaden" und "tschätten" statt "chatten". Und natürlich "Ih-Mäil".

Übrigens: die "mouse" Ihres Kompjuters schreiben Sie doch eh schon "Maus".

Statt "fashion" nun "Fäschen" - das sieht auch gleich nach "Fasching" aus. "Trendi" und "steilisch" statt "schick" (das hieß auch mal "chic". Sehen Sie: es geht doch!)

A propo Französisch: das heißt dann wohl auch "Klicke" und "Butike", "Randewuh" und "Tät a tät". Ich will auch nicht übertreiben: Italienisch zum Beispiel sieht meist ganz ordentlich aus, und "Spagetti" geht schon nach der ersten Stufe der recht Schreibung. "Pizza" ist OK, ich bestehe nicht auf "Pitza". Nur natürlich "Pasta Schuta".

Tschau!

Donnerstag, 14. April 2016

Granatapfel (punica granatum)

Granada in Andalusien, die Stadt unterhalb der Alhambra,
des einzigartigen Juwels maurischer Architektur, ist auch sonst sehr reizvoll. Was auffällt, dass ein Ornament überall auftaucht: der Granatapfel. Gut, das mag naheliegend sein, wenn die Stadt schon so heißt. Naheliegend auch, dass der Strauch überall im Stadtbild grünt und blüht, dass es eine Pracht ist. Granada lässt keine Gelegenheit aus, sich mit dem exotischen Gewächs zu schmücken.

Der Granatapfelstrauch ist im Mittelmeerraum auch gar nicht so exotisch, aber bei uns kennt man seit jeher eher den Namen als die Frucht; was ist das eigentlich, der Granatapfel? Zunächst einmal: Es ist kein richtiger Apfel. Der Apfel ist ein Rosengewächs, und der Granatapfel gehört – trotz der prachtvollen, intensiv hellroten Blüten - zu den Myrtengewächsen. Der Granatapfel ist relativ groß, schwer (wiegt oft ein ganzes Pfund!) und ist von einer ledrig-pergamentartigen Haut umgeben. Schneidet man ihn auf, zerfällt er in hunderte (bis zu 400, sagt Wikipedia; andere sagen anderes) maiskorngroße, saftige Fruchtkörper, durchscheinend, intensiv rot und arg süß. Aus ihnen wird der Grenadinesirup (den kennen Sie vom Tequila Sunrise) hergestellt, und zwar, indem man den Fruchtsaft 1:1 mit Zucker einkocht. Manchen Leuten kann es offenbar nicht süß genug sein!

Früher wurde der Granatapfel auch anderweitig verwertet: Die Blüten sind auch getrocknet noch rot; im Aufguss als Gurgelwasser und gegen Durchfall verwendbar. Wurzelrinde hilft gegen Bandwürmer. Die Schale des 'Apfels' wurde gern zum Färben von Textilien (z.B. Teppichen) verwendet: nicht rot, sondern braun bis schwarz. Darüber hinaus und vor allem war die Frucht geradezu kulturübergreifend symbolträchtig; die Bibel erwähnt sie mehrfach, ebenso der Koran. Der Granatapfel war ein Symbol des Lebens, der Lebens- und Sinneslust und der Fruchtbarkeit. Der Apfel des Paris (den er Helena zusprach) war ein Granatapfel. Andererseits stand der Granatapfel im Mittelalter auch für die Welt (den 'Erdapfel' – von wegen, die Erde sei eine Scheibe!) - der Reichsapfeli war auch ein Granatapfel.

Warum aber 'Granat-'? Hat das was mit Granate zu tun? Doch wohl eher mit dem Granatschmuck? Wer im Lateinunterricht mehr mitbekommen hat als die blutrünstigen Eroberungen Caesars mag irgendwann auf das lateinische Wort für 'Korn' gestoßen sein: granum. Das bedeutet außerdem 'Samen' und 'kleiner Kern', und da ein Körnchen sehr wenig wiegt, nennt sich auch ein Apothekergewicht gran. Ein gran sind etwa 65 mg. Das granum steckt auch in 'filigran', im englischen grain (nicht aber in Migräne!) und schon auch in der Granate. Eine Granate ist ein mit Sprengstoff gefülltes Artilleriegeschoss (die meisten werden eher die Handgranate kennen), und da der Granatapfel mit diesen kleinen Früchtchen gefüllt ist, war das ganz offensichtlich granatum, also 'gekörnt'. Zu den Namen der Frucht gleich noch mehr.

Interludium. Ein Granatsplitter ist zum einen ein Teilstück einer explodierten Granate, zum anderen ein Konditorei-Objekt. Aus den bei der Herstellung von Torten und Biskuitrollen anfallenden Resten wird durch Zugabe von Buttercreme, Kakao und Rum ein Haufen geformt und mit Kuvertüre überzogen. Nicht unbedingt ein großer Schlankmacher...Klingt nur etwas martialisch in unseren (gottseidank) eher friedlichen Zeiten. Versuche, den Namen zu ändern – etwa in 'Bärenhaufen' – sind bisher gescheitertii. Wir können jedoch beruhigt feststellen, dass der Granatsplitter nur sehr indirekt mit dem Granatapfel verwandt ist. Auch mit dem körnigen, sehr harten Schmuckstein namens Granat ( engl. garnet, frz. grénat mittelhochdeutsch grānāt , von mittellateinisch [lapis]granatus 'körniger [Stein]') ist die Verwandtschaft nur oberflächlich, obwohl die roten Fruchtkörperchen des Granatapfel schon etwas an rote Granatsteine erinnern (letzterer heißt im Deutschen auch Karfunkel).

Doch nun zu den Namen unserer Frucht:
Die Römer nannten sie malus punica, punischer Apfel. Nun waren die Punier, auch Phönizier (und später auch Karthager) genannt ja so etwas wie der Erzfeind Roms; ergo muss sich 'punisch' auf die vermeintlich exotische Herkunft bezogen haben, also den vorderen Orient, die Heimat der Punier (oder, wie manche meinen, Nordafrika – wegen Karthago). Der wissenschaftliche lateinische Name ist punica granatum: auch hier sind Phönizier versteckt. Auf französisch grenade und auf spanisch granada genannt, heißt der Granatapfel pomegranate. Das pome- entspricht natürlich dem französischen pomme, 'Apfel'. Nun hieß ja in früheren Zeiten so manches 'Apfel' iii, das wir etwas differenzierter sehen: Birnen, Quitten, ja die Apfelsine (-sine heißt hier 'aus China') oder der Pfirsich (urspr. malum persicum = persischer Apfel), und schließlich auch etwas so wenig apfeliges wie der Erdapfel (a.k.a. Grundbirne: die Kartoffel). Gut, aber warum pomme? Das ist mehr oder weniger die römische Göttin des Obst- und Gartenbaus selbst: Pomona. Wenn Sie von ihr noch nicht viel gehört haben – auch sie kommt in Caesars De Bello Gallicoiv nicht vor...
Pomona. Gemälde von Fouché

iWie die Reichskrone und das Szepter war der Reichsapfel Teil der Reichsinsignien.
ii 'Bärendreck' gibt’s aber!
iii Wortgleich in vielen Sprachen, so germ. apfel, apple, isl epli; slaw (russ.). яблоко; kelt (walisisch). afal; balt. (litauisch) obelis, aber nicht in romanischen Sprachen: lat. malus; span. manzana (indirekt auch von lat. malus) und frz. pomme => 'Apfel' einheimisch nördlich der Alpen
iv Das Buch heißt nicht: "Über den schönen Gallier" – Caesar ist im Krieg.

Samstag, 12. März 2016

Gottes Häuser

Martin(us) von Tours, ca. 316 in Pannonien (heutiges Ungarn) geboren, aufgewachsen in Pavia (Oberitalien), leistete Militärdienst in Gallien. Später Mönch, Klostergründer und Wundertäter, schließlich Bischof von Tours. Er wurde zu einem der beliebtesten Heiligen und gilt als Schutzpatron Frankreichs. Er ist jener heilige Martin, der am 11. November gefeiert wird, weil er seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hatte; ihm gilt die Martinsgans. Er war kein Märtyrer und trotzdem beliebt. Er wird als "Schutzheiliger der Reisenden und der Armen und Bettler sowie der Reiter, im weiteren Sinne auch der Flüchtlinge, Gefangenen, Abstinenzler und der Soldaten" [Wikipedia] verehrt. Ihm verdanken wir "Kapelle" im Sinne von "kleiner Kirchenraum" (wie auch das englische chapel), aber auch als "Gruppe von Musikern", "a capella" und "Kaplan". Denn capella bedeutet im Lateinischen eigentlich "Mäntelchen" (bzw. cape), über die Reliquie Martins (seinem halben Mantel) und ihren Aufbewahrungsort schließlich auch im kirchlichen Sinne "Kapelle" und die davon abgeleiteten Begriffe. "Musikkapelle" übrigens, weil sich Musiker in der Kapelle zusammenfanden, um zu musizieren.

Die "Kirche" – sie hat zwei Bedeutungen, die Gesamtheit der (katholischen) Christen wie auch das Gebäude – stammt als Begriff aus dem Griechischen. κυριακόν (kyriakon) heißt "[Haus] des Herrn" und wurde erst in die germanischen Sprachen (eben als Kirche, church, kirk, kerk etc.) übernommen – wie, ist nicht ganz geklärt – und dann auch in andere Sprachen (russ. церковь, serbokroat. црква/crkva, finn. kirkko). Als Gebäude ist die Kirche i.d.R. größer als die Kapelle; ist ihr keine Pfarrei zugeordnet, ist sie ungeachtet ihrer Dimensionen nur eine Kapelle. So ist beispielshalber die Marienkapelle in Würzburg um einiges größer als so manches Kirchlein in derselben Stadt.

Im Lateinischen war die Kirche – wiederum in zweierlei Wortsinn – ecclesia, wovon sich die Bezeichnung in vielen nicht-germanischen Sprachen herleitet, ob nun église (frz.) iglesia (span.) igreja (port.) chiesa (ital.) eaglais (ir.), eglwys (walis.) kilise (türk.). Andere Sprachen übernehmen das Wort basilica, eine griechische Bezeichnung, die ursprünglich "Königshalle" bedeutet: baselgia (rätorom.),

Große Kirchengebäude, die einem Bistum als Hauptkirche dienen, nennen sich Dom, Münster oder Kathedrale. Dom ist entstanden aus domus domini (lat.:"Haus des Herren", entprechend dem griechischen kyriakon); Münster ist eigentlich die Stiftskirche eines Klosters (lat. monasterium), und die Kathedrale hängt wörtlich zusammen mit dem Katheder, dem Stuhl, bzw. dem Lehrstuhl: als ecclesia cathedralis die Kirche des Bischofsstuhls.

Im Ungarischen heißt Kirche templom, "Tempel". Stimmt ja auch.

Das hebräische Wort für einen Versammlungsort ist בית כנסת, beth ha knesseth ("Haus der Zusammenkunft"; daher heißt das israelische Parlament Knesset). Bei der Übersetzung der Bibel ins Griechische wurde analog dazu συναγωγή (Synagoge) gebildet: aus συν- "zusammen" und αγειν "führen, bringen". Über das (kirchen)lateinische Synagoga als sinagoge seit dem Mittelhochdeutschen bezeugt. Deutsche Juden gebrauchten häufig das jiddische Wort schul (tatsächlich abgeleitet vom deutschen "Schule")*.

Die Versammlungsorte moslemischer Mitbürger heißen auf arabisch masjid (oder masdschid) und cami auf türkisch, auf deutsch "Moschee". Masjid heißt "Ort des Sich-Niederwerfens", also "Ort des Gebets" und der Hinwendung zu Allah. Über das französische mosquée, seinerseits aus dem spanischen mezquita, dem man die arabische Herkunft noch ansieht. So wie die Mezquita-Catedral in Córdoba heute die katholische Kathedrale der Stadt ist, im Inneren aber das architektonische Juwel der maurischen Zeit ist und bleibt (neben der Alhambra in Granada) und an eine der glanzvollsten Epochen der Menscheitsgeschichte erinnert: al Andalus, das Kalifat von Córdoba, als in Andalusien Muslime, Christen und Juden friedlich zusammenlebten.



*früher hörte man gelegentlich die Redewendung "hier geht es ja zu wie in einer Judenschule". Seit der Nazizeit werden solche Formulierungen gemieden, oder, wie es bei redensarten-index.de heißt: "umgangssprachlich, veraltet; Seit dem Massenmord an Juden während der Zeit des Nationalsozialismus sind auf Juden bezogene Redewendungen nicht mehr gebräuchlich" – oder einfach: die Lebenswelt von Juden ist uns fremd geworden. Synagogen waren tatsächlich (auch) Orte der lebhaftesten intellektuellen Diskussionen, wo es oft laut zuging, und wenn das für heutige Schulen zuträfe. dass sie nämlich Orte lebendigen Gedankenaustauschs wären, wer sollte daran Anstoß nehmen?